Interview mit Univ.-Prof. Dr. phil. habil. Andreas Rohde



Veronika Hackenbroch: Was haben Sie bislang in der Kita mit unseren Kindern schon gemacht?

Rohde: Unsere Untersuchungen am Bumblebee-Kindergarten sind Teil eines EU-Projekts, das gerade erst beginnt. Bislang haben wir vorbereitende Beobachtungen durchgeführt, um zu sehen, ob der Kindergarten tatsächlich für das Projekt in Frage kommt.

Hackenbroch: Und kommt unser Kindergarten in Frage?

Rohde: Ja, auf jeden Fall. Die Bedingungen sind hier wirklich ideal. Es sind geschulte, muttersprachliche Kräfte da, die tatsächlich in der Lage sind, ihre Muttersprache mit den Kindern so zu sprechen, dass die Kinder einen authentischen Input bekommen.

Hackenbroch: Was genau ist ein Input?
Rohde: Input ist das, was die Kinder an Englisch tatsächlich hören. Der Input ist ein entscheidender Faktor beim Erlernen der Sprache, obwohl es andere Faktoren gibt wie angeborenes sprachliches Wissen. Eine wichtige Frage, die das EU-Projekt beantworten will, ist deshalb: Wie muss der Input beschaffen sein, damit die Kinder möglichst gut Englisch lernen? Soll der Sprachgebrauch am besten sehr ungezwungen sein, wie man mit Kindern eben spricht? Oder soll, wenn es ums Sprachen Lernen geht, der Input verändert, zum Beispiel vereinfacht werden?

Hackenbroch: Welche Untersuchungen werden Sie dazu mit den Kindern machen?
Rohde: Es gibt ein Standard-Programm. Man untersucht den Wortschatz, grammatisches Verständnis, Sprachformeln, und zum Beispiel auch die Aussprache. Für bestimmte Tests sitzt eine Mitarbeiterin dann jeweils mit nur einem Kind in ruhiger Atmosphäre zusammen. Aber wir werden auch den Alltag in der Kita beobachten. Zum einen macht das eine Mitarbeiterin mit Hilfe eines Beobachtungsbogens. Aber wir wollen Interaktionen auch fi lmen und hinterher gemeinsam auswerten. Je nachdem, welche Ergebnisse wir dabei erhalten, ergeben sich auch wieder Folgeuntersuchungen.

Hackenbroch: Werden Sie zum Beispiel auch untersuchen, wie die englischen Kinder Deutsch lernen?
Rohde: Das ist zwar erst einmal nicht geplant, aber ich denke, das werden wir auf jeden Fall tun. Zu dieser Frage gibt es bisher schon Untersuchungen, die zeigen, dass der Erwerb der Muttersprache Deutsch völlig problemlos verläuft. Trotzdem ist das ein interessanter Bereich, den wir im Blick behalten
werden.

Hackenbroch: Wann werden die ersten Ergebnisse aus dieser Kita vorliegen?
Rohde: Die ersten Ergebnisse werden wir möglicherweise im Frühjahr vorliegen haben. Wichtig ist aber vor allem, dass die Kinder über einen längeren Zeitraum beobachtet werden, da uns der Nachweis von Entwicklungsprozessen wichtig ist. Wenn es möglich ist, werden wir den Kontakt zu Ihrer Kita so lange halten, wie sie existiert.

Hackenbroch:: Was sind denn die wichtigsten Voraussetzungen, die eine Grundschule haben sollte, damit der Schritt in die Zweisprachigkeit gelingen kann?
Rohde: Es mag sich banal anhören, aber das Wichtigste ist die wirklich aufrichtige Bereitschaft und auch der Wille, die einzelnen Schritte tatsächlich anzugehen. Wir haben gesehen, dass die Euphorie am Anfang manchmal relativ stark ausgeprägt ist, dass aber nach einer Weile das übliche Tagesgeschäft davon wieder ablenkt. Und es ist schon wichtig, dass so ein Programm auch gepfl egt wird. Wenn diejenigen, die dafür sorgen sollen, dass die Kinder Englisch lernen, sich vernachlässigt fühlen oder es Probleme gibt, zum Beispiel, was das Unterrichtsmaterial betrifft, dann kann das das Projekt gefährden.

 
Interview with Univ.-Prof. Dr. phil. habil. Andreas Rohde


Veronika Hackenbroch: What have you done so far with our children at the Kita?

Rohde: Our research at the Bumblebee-Kindergarten is part of an EU-project, that has only just started. So far, we have only done preparatory observations in order to see, if your Kita actually is fi t to be part of the project.

Hackenbroch: And is it fit?

Rohde: Oh yes, definitely! Conditions here are really ideal. You have skilled native speakers as teachers, that can speak to the children in their native laguage in a way that the children really get an authentic input.

Hackenbroch: What exactely do you mean by „input“?
Rohde: Input is, what the children actually hear of the English language. It is probably one of the most important factors that infl uence language learning. An important question that the EU-project wants to answer is therefore: How must the input be shaped, so that the children learn English as well as possible? Should is be very casual, just the way you speak with children? Or should it be shaped especially for language learning, e.g. simplified?




Hackenbroch: Which tests are you going to do with the children?

Rohde: For one thing we have a standardized program: vocabulary, expressions and e.g. pronounciation. For some of these tests a co-worker of mine sits together only with one child at a time in a quiet atmosphere. But we also want to observe every day life at the Kita, e.g. by videotaping interactions. Depending on what results we get, we get new ideas on what to examine more closely in the next step.

Hackenbroch: Are you also going to examine how the English speaking children learn German at the Kita?
Rohde: This is not offi cially planned yet, but I think we will do it. This is an interesting observation that we should not ignore.

Hackenbroch: When will you have the fi rst research results from our Kita?
Rohde: Probably in spring. But we relly have to think long term here. As long as your Kita exsists we will stay in touch.

Hackenbroch: What does a primary school need to be turned successfully into a bilingual school?
Rohde: It may sound simple, but the most important point is, that the people there honestly and earnestly want to do it and are ready to take one step after the other. Unfortunately often people are very euphoric at the beginning, but then when routine settles in, they get distracted. That can threaten the whole project.